Die Lebensdauer von E-Bike-Motoren

Wie hoch ist die realistische Lebensdauer von E-Bike-Motoren? Wie lange halten die Antriebe von Bosch, Brose, Yamaha, Shimano, Bafang, Alber, GoSwiss und Co.? 10 Jahre nach dem Beginn des E-Bike-Booms können wir die Frage vieleicht mit einer gewissen Übersicht und Aussagekraft beantworten.

Der erste deutsche E-Bike Mittelmotor war die „Drive Unit 25“ von Bosch im Jahr 2008 – die Entwicklung der Bosch-Antriebe nahm von dort aus einen relativ geraden Weg. Die heutigen Motoren sind etwas drehmoment-stärker und leichter, aber man kann nicht von einer komplett veränderten Technologie gegenüber 2008 sprechen (siehe auch unser E-Bike-Mittelmotor-Vergleich).

Was inzwischen dazu kam, ist die Verbindung mit dem Smartphone: Inzwischen können die Leistungsprofile der Motoren bei einigen Herstellern per App individualisiert werden. Und manche Motoren (Bosch ab 2022, Shimano EP8) können Softwareupdates heute „over the air“ erhalten, wie bei vielen Elektroautos.

Die Lebensdauer von Mittelmotoren – und ihre Feinde

Was man zu E-Bikes mit Mittelmotoren hört und liest, u.a. beim Pedelecmonitor, wo E-Biker Kilometerleistungen, Motorlaufzeiten und aufgetretene Probleme melden können, lässt sich wie folgt zusammenfassen.

Die größten Feinde des E-Bike-Mittelmotors sind aus heutiger Sicht:

  1. Häufigere Fahrten durch Wasserlöcher und Schlamm, besonders beim E-MTB
  2. Reinigung mit Hochdruckreinigern aus kurzer Entfernung
  3. Schalten unter Last bei hohem Krafteinsatz
  4. Tretlagerschäden bei hohen Laufleistungen > 18.000 km

Die Motoren lassen sich offenbar nicht perfekt abdichten – hier spielen evtl. auch die Steckverbindungen und Sensoren eine Rolle. Ein Regenschutz für den Motor ist nicht nötig, da seine Komponenten vor Spritzwasser geschützt sind – aber dem Wasserdruck eines Hochdruckreinigers halten die Dichtungen wohl nicht lange stand.

   

Beim Brose Motor, der in seinem Inneren auch mit einem carbonverstärkten Zahnriemen statt reinen Zahnradübersetzungen arbeitet, gab es nach einigen Garantiefällen in 2021 für 2022-er Modelle eine Änderung in der Software, um Belastungsspitzen abzufangen.

Die Laufleistung von E-Bike Mittelmotoren

Ansonsten erreichen die Mittelmotoren von Pedelcs und S-Pedelecs durchaus Laufleistungen von 10.000 bis weit über 20.000 Kilometer. Damit erweisen sie sich als durchaus zuverlässige Unterstützung für Vielfahrer etwa auf dem täglichen Weg zur Arbeit.

Auf der Pedelecmonitor-Website sind von verschiedenen Meldern übrigens folgende gefahrenen Kilometer insgesamt gemeldet (Stand: Nov. 2021, Mittelmotoren):

  • Bosch: 3,29 Mio. Kilometer (Marktanteil*: 59%)
  • Panasonic: 559.000 Kilometer (Marktanteil: ?)
  • Yamaha: 428.000 Kilometer (Marktanteil 9,9%)
  • Impulse: 402.000 Kilometer (Marktanteil 6,8%)
  • Shimano: 346.000 Kilometer (Marktanteil 6,3%)
  • Brose: ? km (Marktanteil 6,1%)

Mit Marktanteil ist hier der Marktanteil des Mittelmotorherstellers unter allen Mittelmotoren gemeint.

Eine Ausnahme bei der Zuverlässigkeit stellt wohl der Motor von Impulse dar. Zu diesem Motor, der u.a bei Kalkhoff zum Einsatz kam, gab es vermehrte Meldungen über Motorschäden schon bei 4000 oder 5000 Kilometern.

Natürlich sollten die Hersteller Wartung, Updates, Austauschmotoren und Ersatzteile über viele Jahre hinweg anbieten. So gibt es bei Bosch z.B. Reparatursets für Tretlagerschäden, die um die 20.000 Km Laufleistung herum auftreten können. Solche Lagerschäden kündigen sich durch reibende, mahlende oder klackende Motorengeräusche an. Einige Forenpostings berichten davon, dass man die Lager austauschen bzw. die Bosch Motoren für geringe dreistelllige Summen überholen lassen kann.

„Realistisch sind ein Zeitraum von fünf bis zehn Jahren, und schon diese Lebensdauer setzt voraus, dass der Systemlieferant für Motor, Steuerung und Batterie über einen solchen Zeitraum Ersatzteile und Updates anbietet“ – diese schreibt der E-Bike-Hersteller Velotraum in einem Bericht über 11.000 Kilometer mit seinem vom Shimano Steps 7000 angetriebenen Trekking-/Touren-Modell FD2E.

Neben dem Motor altern natürlich Verschleißteile wie Kette und Ritzel und auch der Akku. Wobei die Akku-Lebensdauer auch beruhigend hoch zu sein scheint. Verluste bis auf eine Kapazität von noch 80% treten wohl ebenfalls erst bei über 500 oder mehr kompletten Ladezyklen (also Aufladung um insgesamt 100%, auch über mehrere Ladephasen verteilt ) auf.

In welchem Modus (Eco, Sport, Turbo …) man die Motoren fährt, hat nach meinem Überblick wenig Auswirkung auf die Fahrleistung. Generell werden die Motoren bei aggressiverem Climbing und schnellen Uphill-Strecken mehr gefordert.

Bei der Trittfrequenz gibt es den Bereich über ca. 60 Nm, in der der Mittelmotor effizienter fährt. Auch dieser Aspekt der Fahrweise hat wohl wenig Auswirkung auf die Fahrleistung. Eher negative Wirkungen auf Eure Gelenke bei zu niedriger Trittfrequenz

Die Lebensdauer von Hinterrad-Nabenmotoren

Eine Reihe von Herstellern hochwertiger Pedelecs – wie Rennstahl und Falkenjagd, Coboc, ToutTerrain, Electrolyte, Campus oder der Liegeradspezialist HP Velotechnik – setzen bei City-Pedelecs, Urban bzw. Design- und besonders leichten E-Bikes, bei e-Gravelern oder Touren-Pedelecs gerne auf solche leichten Hinterrad-Nabenmotoren. Hersteller/Lieferanten sind etwa Ansmann, Alber oder Bafang (siehe: Comeback der Nabenmotoren oder die Themenseite Leichte E-Bikes).

E-Bike Motore am Hinterrad
Hinterrad-Nabenmotoren in Coboc E-Bikes

Auch der Schweizer Hersteller Stromer setzt auf Hinterradmotoren (GoSwiss Drive), die „Direktläufer“ sind ohne eigenes Getriebe und  ermöglichen Rekuperation. Dass deren Kraft ausreicht, zeigt die Tatsache, dass (wegen der anderen Rechtslage in der Schweiz) viele der Stromer-Modelle auch als schnelle S-Pedelecs gekauft werden.

Hinterradmotoren sind in der Regel leichter als Mittelmotoren. Sie lassen sich mit weniger Aufwand integrieren, und ermöglichen (je nach Bauweise) auch die Energierückgewinnung beim Bremsen bzw. Bergabfahren, also Rekuperation.

Sie gelten außerdem oft als lautlos und wartungsarm. Da die Unterstützung direkt auf die Achse wirkt und per Kurbel, Ritzel und Kette oder Riemen keine Verluste auftreten, können auch geringere Drehmomentwerte (i.d.R. 30-50 Nm) für ordentlichen Vorschub sorgen.

Bei den Hinterrad-Nabenmotoren gibt es ein prinzipielles Problem: Die mögliche Überhitzung. Die in der Bauform kleineren Nabenmotoren (meist mit Getriebe) kommen mit hoher Belastung, z.B. beim langsamen bergauf Fahren, schlechter klar.

Die Lebensdauer von Hinterrad-Nabenmotoren scheint allerdings mit der von Mittelmotoren vergleichbar zu sein. Die Kilometerleistung der beim Pedelecmonitor gemeldeten E-Bike-Kilometer liegt bei den Stromer-Motoren z..B. bei 1,3 Millionen insgesamt gefahrenen Kilometern, bei GoSwissDrive Motoren bei 450.000 Kilometern. Zur Reparatur eines E-Bikes von 2010 mit TranzX-Hinterradnabenmotor lest gerne auch hier.

Fazit zur E-Bike Motor Lebensdauer

Wenn Ihr nicht gerade einen Montagsmotor erwischt und wenn Ihr einen Bogen um Impulse-Motoren herum macht (beim Gebrauchtkauf evtl. darauf achten), könnt Ihr mit 10.000 bis 20.000 Kilometern rechnen – je nach Eurem E-Bike-Einsatz reicht das für fünf bis zehn Jahre.

Mit guter Wartung und schonender Behandlung (Wasser! Fahrweise) in vielen Fällen auch noch mehr. Aber kalkuliert ein, dass Euer E-Bike beim Pendeln im Winter und auf gesalzten Straßen stärker belastet wird.

Wahrscheinlich ist demnach der E-Bike-Motor eines der haltbarsten Teile Eures Pedelecs. Es ist sicher eine gute Idee, einige Wochen vor Ablauf der Herstellergarantie das Pedelec auf Schäden prüfen zu lassen – und gegebenenfalls über den Austausch/Ersatz des E-Bike-Motors auf Garantie oder Kulanz die Lebensdauer und Euren Spass am E-Bike drasstisch zu verlängern.

Teilt hier gerne in den Kommentaren Eure Einschätzung und Eure Erfahrungen mit den Motoren und deren Lebensdauer mit – das hilft allen Lesern hier bei der Kalkulation und Entscheidung über einen E-Bike-Kauf. Danke!

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Author: ebikespass

E-Bikes verbinden für mich ideal Frischluft, Fitness und eine ordentliche Entdeckungsreichweite ... Ich habe früher Motorradfahren genossen - Pedelecs machen mir heute mindestens genau soviel Spass - und sind dabei gut für die Umwelt, den Körper und die Seele! Ein persönliches Dankeschön an alle, die mit ihren Kommentaren, eigenen Erfahrungen und Fragen diesen E-Bike-Blog weiter aufwerten! Was brachte Euch zum E-Biken? Was macht am meisten Spass, was ärgert Euch? Stellt Ihr Euch noch Fragen vor dem Kauf? Gerne in den Kommentaren Fragen stellen oder Eure Anregungen und Kritik - wir antworten!

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