E-Bike Motor Talk: Shimano EP8 [mit EP801 Update]

Der Shimano EP8 Mittelmotor hatte zum Modelljahr 2020 den Steps E8000 abgelöst, den ersten E-Bike-Motor von Shimano überhaupt. Gegenüber seinem Vorgänger punktete der EP8 mit einem Magnesiumgehäuse, besserer Unterstützung in einem breiteren Trittfrequenzbereich, mehr individuellen Einstellmöglichkeiten per App, 10 % weniger Gewicht und 20 % mehr Kraft.

Um diesen Motor  geht es in diesem E-Bike-Motor-Talk, inklusive des aktuellen Updates zum Shimano EP801 mit Di2 Auto/Free Shift , vorgestellt zur Eurobike 2022. Weitere Mittelmotoren haben wir in unserem Mittelmotor-Vergleich mit deren Leistungsdaten gegenübergestellt.

Mittelmotor auf Augenhöhe

Der Shimano EP8 schneidet in den verschiedenen aktuellen Tests immer wieder etwa auf Augenhöhe ab mit den Mittelmotor-Wettbewerbern Bosch CX Gen. 4, Yamaha PW-X2/X3 oder Brose Drive S Mag. Er ist mit seinen 85 Nm Drehmoment nominell genauso stark wie der Bosch CX Gen. 4 oder  der Yamaha PW-X3, nur wenig schwächer als der Brose Drive S Mag mit dessen 90 Nm (siehe auch unseren Mittelmotoren-Vergleich).

Dazu ist der Shimano EP8 mit 2,6 kg der aktuell leichteste Mittelmotor und einer der kleinsten überhaupt, sofern wir von den Light-Motoren von Fazua, dem TQ HPR 50  oder dem Specialized SL mit ihren light-Drehmomenten bis maximal 60 Nm absehen. Dies macht den Shimano EP8 und noch mehr den neuen Shimano EP801 Motor für viele Hersteller interessant, sie profitieren von mehr Freiheit beim Rahmendesign und geringere Gesamtgewichten.

Für uns als Fahrer:innen bringt das etwas leichtere, aber immer noch potente E-MTBs und E-Gravelbikes. Ein weiteres Beispiel  für diese E-Bike Kategorie, fotografiert auf der Eurobike 2022: Das Bulls Sonic Evo EN SL1 Fully mit dem Shimano EP8/EP801, mit klassischer Deore 12-Gang Schaltgruppe, mit einem Gesamtgewicht von nur 21,6 kg:

Einen Video-Fahrbericht mit einem EMTB-Hardtail mit dem Shimano EP8-Motor haben wir unten eingebaut.

Interessant für viele Hersteller und E-Bike-Konzepte

So wurde und wird der leichte und kleine Shimano EP8 / EP801 auch für andere E-Bike-Typen als nur EMTB interessant. Er ist neben EMTBs in Light-EMTBs, in Cross-Country / Hardtails (siehe unseren Fahrbericht zum Myvélo Himalaya EP8) oder in E-Gravel-Bikes wie dem Giant Revolt E+ Pro (mit angepasster EP8-Version namens SyncDrive EP8) anzutreffen. Weitere Hersteller, die den Shimano EP8 einsetzen, sind etwa Bulls, Canyon, Centurion, Commencal, Focus, Husqvarna, Liteville, Merida, Mondraker, Rose, Rotwild, Stevens und andere.

Als EP8 RS mit gedrosselten 65 Nm wird er von Orbea in seinem Light-EMTB Orbea Rise eingesetzt.

Der Shimano EP801 – ebenfalls mit 2,6 kg Gewicht und mit Free Shift und Auto Shift in Verbindung mit der Di2 Schaltung – wird auch in einer speziellen Cargo-Variante ausgeliefert, EP801 CRG:

Wer Genaueres zur ersten „Automatik“ bei einer Kettenschaltung und zum Free Shift erfahren mövchte, kann sich den YouTube-Beitrag „SHIMANO XT Di2 im Test: Schaltungs-Revolution am E-MTB“ von Velomotion ansehen.

Leistung / Unterstützung

Shimano gibt eine maximale Tretunterstützung bis 400% im stärksten, also dem Boost-Modus an. Die Prüfstand-Tests des VeloMotion Magazins bestätigen, dass der Shimano EP8 in der Spitzenleistung in Watt nicht ganz so stark ausgelegt ist wie der Yamaha PW-X2/X3 oder Brose Drive S Mag oder der Specialized 2.2.  Die Messung erfolgt bei Velomotion jeweils im stärksten Unterstützungsmodus der Motoren. Die folgenden vier Screenshots von Prüfstand-Messdaten habe ich von Motor-Test-Videos auf dem YouTube Kanal des Velomotion Magazins erstellt:

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Bei 100 Watt Fahrer-Input (lockere Tretleistung auf der Ebene) erbringt der EP8 eine Leistung von 508 Watt -legt also tatsächlich die vierfache Wattzahl (400%) drauf.  Er liegt damit noch vor Bosch und Giant SyncDrive/Yamaha:

E-Bike Motoren - Leistung bei 100 Watt Input

Screenshot aus Velomotion Video

Bei stärkerem körperlichen Input von 250 Watt (an einer Steigung mit 10%) fällt der Shimano EP8 mit 666 Watt auf den letzten Platz unter den Mittelmotoren ab (gemessen jeweils in deren stärksten Unterstützungsmodi), hier scheint die Unterstützung auf ca. 200% reduziert:

Maximale Leistung E-Bike Motoren

Screenshot aus Velomotion Video

In einem direkten Motorenvergleich ließ der YouTube-Kanal Rob Rides EMTB vier 2021 er Mittelmotoren gegeneinander bergauf sprinten (Huge E-Bike Motor Test 2021). Der EP8 war da in einem Merida eONE-Sixty mit 29 x 2.2″ Maxis Icon Bereifung an dem steilen Trailanstieg eine Idee langsamer als Bosch, Brose und Yamaha – die meist mit breiteren Pneus. Ein Test des auf 65Nm gedrosselten Shimano EP8 RS, wie im Orbea Rise verbaut, ist übrigens auch bei Rob Rides EMTB zu finden, nämlich im Mega 2022 eBike Motor Test. Auch dort ist der Shimano EP8 in einem Focus Jam2 mit von der Partie.

Zurück zur obigen Grafik: Die Kletterleistung hängt  natürlich immer auch von der Bereifung, der Geometrie und der Integration ins Bike insgesamt ab.

Effizienz / Energieverbrauch

Die geringere Maximalleistung im Vergleich zu den Wetttbewerbern wirkt sich wiederum positiv auf den Energieverbrauch des Motors und damit auch auf die Reichweite aus. Hier der Spitzenplatz des EP8 mit dem niedrigsten Energieverbrauch in flachem Gelände (bei 100 Watt eigenem Kraft-Input):

Energieverbrauch von E-Bike Motoren bei 100 Watt Input

Screenshot aus Velomotion Video

und dem zweitniedrigsten Energiehunger nach dem Bosch Performance CX am Berg, bei 10% Steigung und 130 Watt eigener Tretleistung:

Energieverbrauch E-Bike-Motor am Berg

Screenshot aus Velomotion Video

Bei der Wahl der Akkus können Hersteller auf Shimano-Akkupacks zurückgreifen (504 Wh, 630 Wh) oder auf eigene Konzepte bzw. externe Zulieferer setzen. So verbaut Bulls in seinem Sonic Evo Am-SL S einen 750 Wh Akku, und bei Giant könnt ihr beim Revolt E+ Pro den 504 Wh-Akku mit einen 250 Wh Extender erweitern.

Shimano Display, Steuerung und Akku

Am Lenker gut gegen Stürze geschützt: Die Shimano Steuereinheit

Das kleine Shimano SC-E8000 Display lässt Euch unter drei Unterstützungsmodi wählen: Eco, Trail und Boost. Trail ist ein Automatikmodus, der die Motorkraft abhängig von Eurer momentanen Tretkraft steuert.

Die gute Connectivity ist sehr praktisch. Das Shimano System tauscht Daten mit Garmin, Wahoo, Sigma und Bryton GPS Displays (genauer dem Bryton Rider 750 – besprochen hier) aus. Diese Geräte können Euch dann die Fahrdaten des EP8 Motors auf deren Displays anzeigen, z.B. die aktuelle Trittfrequenz, der Akkuladestand u.a. Vielleicht ergänzt Ihr die Anzeige noch mit der Herzfrequenz über einen Brustgurt und seht alles kombiniert in einem Display-Screen. Theoretisch könnt Ihr damit sogar auf das Shimano-eigene Display verzichten.

Das Display ist klein aber vielseitig. Ihr könnt unterwegs die definierten Profile wechseln, Ihr könnt Euch erschiedene Fahrdaten inklusive der Trittfrequenz auf die Anzeige legen. Natürlich kann auch ein Licht, so vorhanden wie am Himalaya Equipped EP8 darüber ein- und ausgeschaltet werden.

Die Unterstützungsmodi könnt Ihr in punkto Kraftentfaltung, maximales Drehmoment und Anfahrdynamik über die Shimano E-Tube Project App noch individuell konfigurieren. Eure Vorgaben könnt Ihr in zwei Profilen abspeichern, z.B. für zwei Fahrer:innen oder verschiedene Geländetypen, oder für nasse und trockene Strecken. Ergänzend zur E-Tube Project App zur Einstellung des Systems gibt es von Shimano noch die E-Ride App, die Ihr auf dem Smartphone während der Fahrt als Navi- und Steuerungscomputer einsetzen könnt.

Lautstärke

Zur Lautstärke des Shimano EP8: Der EP8 war in den genannten Tests bei Rob Rides EMTB aufwärts unter Last der leiseste der Motoren (nach dem Mahle 1.1 Light-Motor im Specialized Kenevo SL), abwärts klapperte er allerdings leider deutlich, wenn auch nicht ganz so laut wie der Bosch CX Gen 4.

Video-Fahrbericht: myvélo Himalaya EP8

Das E-Cross-Country / E-Gravel Bike aus demSchwarzwald mit dem Shimano EP8:

E-MTB Test Himalaya EP8 Video

Eurobike 2022: EP8 Update + Di2 FREE SHIFT Automatik

Mit dem aktualisierten Mittelmotor EP8 (Version EP801 – fast gleiche Leistungsmerkmale wie der EP8 –  und neu ein günstigerer EP6 als Nachfolger des Steps 7000), mit der Shimano-Schaltgruppe DEORE XT Di2  und den Technologien FREE SHIFT & AUTO SHIFT bietet Shimano eine neuartige, vom Motor gesteuerte, automatisierte elektronische Kettenschaltung an. So kann etwa beim Freilauf und beim Ausrollen die Kette automatisch in einen kleinen Gang geschaltet werden. Motoreinstellungen und Di2-Schalteinstellungen sind per App individuell konfigurierbar.

Shimano schreibt dazu auf ihrer Website:

… FREE SHIFT mit DEORE XT Di2 ermöglicht elektronische Gangwechsel im Leerlauf, sodass du beim Pedalieren direkt im richtigen Gang bist, ohne an Kraft oder Rhythmus einzubüßen. FREE SHIFT kann elektronisch oder manuell bedient werden und sorgt dafür, dass du beim Herausfahren aus langen Anstiegen oder Flachpassagen sofort im richtigen Gang bist. AUTO SHIFT mit DEORE XT Di2 ist die Zukunft des Gangschaltens …

Mit der Nutzung der elektronischen Di2 Schaltung auch für E-Bikes ist Shimano eine Überraschung gelungen, die kaum Experten auf dem Schirm hatten. Am E-Bike entfällt gleich noch ein bisheriger Nachteil elektronischer Schaltungen, nämlich dass für die Stellmotoren für Umwerfer und Schaltgruppe ein extra Akku nötig war. Am E-Bike kommt der Strom direkt vom System.

Shimano betont das Alleinstellungsmerkmal, dass das Unternehmen als  führender Hersteller sowohl von Schaltungen als auch von E-Bike-Motoren eine innovative abgestimmte Einheit beider Komponenten Motor + Kettenschaltung vorstellt. Die Neuerung dürfte u.E. insbesondere in der E-Gravel-Szene besonders gut ankommen. Außerdem neu vorgestellt wurde das Shimano ABS by BluBrake.

Fazit zum Shimano EP8 / EP801

Mit seiner Leistungscharakteristik und dem moderaten Energieverbrauch profiliert sich der Shimano EP8 als ausdauernder, sportlich ausgelegter Mittelmotor. Mit ihren Shimano EP8 motorisierten E.-Bikes wenden sich die Hersteller an eine sportlichere Zielgruppe im EMTB- und Light-EMTB-Bereich und an die große Zielgruppe im E-Gravel- und teils auch E-Racing-Bereich. Der EP801 wird in Kombination mit der elektronischen Di2 und den Free Shift und Auto Shift Automatiken neuartige Fahererfahrungen auf dem EMTB und mit dem EP801 CRG im E-Cargo-Bike ermöglichen.

Stärken:

  • Leichter und kleiner Motor
  • Effizienz/Energieverbrauch
  • Top Display mit guter Connectivity
  • Trail-Modus (Automatik)
  • Offene Akkuoptionen
  • Relativ leise bergauf

Schwächen:

  • Geringere Maximalunterstützung bei hohem eigenen Kraftinput
  • Mittlere Lautstärke mit Klappern bergab

Über die Zuverlässigkeit und Laufleistungen von E-Bike Motoren habe wir hier übrigens einen Artikel auf ebikespass.de: Die Lebensdauer von E-Bike-Motoren

Wenn ihr eigene Erfahrungen mit dem Shimano EP8 Motor beisteiern möchtet oder Ergänzungen und Anregungen zu diesem Motor habt, sehr gerne! Setzt es einfach unten in die Kommentare!

Quellen und Links:

Schlagwörter: , ,

Author: ebikespass

Hallo, ich bin Günter. E-Bikes verbinden für mich ideal Fitness und eine ordentliche Entdeckungsreichweite ... Die Elektrofahrräder tun Umwelt, Körper und Seele gut! Für den Blog teile ich meine technische Neugier und berichte über neue Modelle. Ein persönliches Dankeschön an alle, die mit ihren Kommentaren, eigenen Erfahrungen und Fragen diesen E-Bike-Blog weiter aufwerten und anderen weiterhelfen!

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2 Kommentare

  1. Der Test für Energieverbrauch Ebene erscheint mir etwas realitätsfremd.
    Wer fährt bei 0% Steigung 75rpm? Da wird eher unter 60rpm gefahren, besonders bei einem starken Motor.
    Das wäre nämlich ein realistischer Test für einen Tourenradler mit diesem Motor. Denn der EP8 wird ja nicht nur für Mountain bikes verbaut.
    Dieser Vergleich hätte mich wirklich interessiert. Denn die Frage, ob ich die starken Motoren auch für Touren von 80 bis 100km sinnvoll verwenden kann, hängt davon ab. Nur die fahren wohl wenige mit 75rpm.

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    • Hallo Georg,
      auf die zitierten bzw. abgebildeten Testergebnisse vom Prüfstand bei Velomotion hatte ich natürlich keinen Einfluß. Allerdings macht es schon Sinn, den Shimano EP8 bzw. alle Motoren bei 75 U/min Trittfrequenz auch im Flachen zu messen. Erst ab etwa 70 Nm haben die meisten Mittelmotoren ihre beste Effizienz. Für 100 Watt Input könnten auch gemütliche 60 U/min nicht ausreichen. Und für die Ergonomie und etwa die Kniebelastung sind Trittfrequenzen um 75 Nm auch besser als niedrigere: „Übrigens wirst du als Patient in der Reha auf 75u/min trainiert – das gilt als untere Grenze, um Kniebelastungen möglichst gering zu halten.“ Den Satz findest du in unserem Artikel Gibt es eine optimale Trittfrequenz beim E-Bike?

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