Urwahn Platzhirsch: 7 Argumente für das individuellste E-Bike Deutschlands

Das vielleicht außergewöhnlichste E-Bike aus Deutschland: Knick in der Optik,
Stahlrahmen aus dem 3D-Drucker und Green Product Award 2021!

Wir stellen Euch das ungewöhnlichste Pedelec vor, das wir je gefahren haben – Ihr erkennt sofort, dass es sehr besonders ist – aber fast seht Ihr nicht, dass es ein Bike mit Akku und Motor ist. Der URWAHN PLATZHIRSCH gehört auf jeden Fall in die „Liga der Außergewöhnlichen E-Bikes“.

Warum ich dieses Urban / City-Pedelec für eines der interessantesten E-Bikes Deutschlands  halte, stelle ich Euch mit sieben Argumenten vor. Der Text unter dem Video ist eine leicht gekürzte Version meiner Vorstellung des Urwahn Platzhirsch im Video. Ich habe die Version des E-Bikes mit Kettenschaltung gefahren, es gibt auch eine Singlespeed-Version mit Carbonriemen statt Kette.

1. Design: Flexibler Schwung

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Urwahn Platzhirsch E-Bike, kobaltblau

Ebikespass

Wir haben hier einen Bruch mit sämtlichen klassischen Rahmenformen wie  Trapez oder Diamantrahmen (-> Rahmenformen) – statt des geraden haben wir hier ein geschwungenes Sitzrohr.

Diesen elastischem Hinterbau mit „Knick in der Optik“ hat sich der Entwickler und einer der beiden Gründer und CEO der Magdeburger Bike-Manufaktur Urwahn, Sebastian Meinecke, einfallen lassen. Die auffällige Form des Rahmens soll einerseits organisch wirken und die Kettenstreben dürfen an flinke Hinterläufe von Füchsen erinnern, wie ich gelesen habe. Hinter dem Design steckt aber in erster Linie eine technische Idee: die Ausnutzung der Flexibilität von Stahl (dazu unter Argument 2 mehr). Jedenfalls ist die eigenwillige Rahmenform für Urwahn charakteristisch geworden. Sie zieht sich bei allen Bike- und Pedelec-Modellen durch. Zum Beispiel beim Stadtfuchs, beim Vagabund oder bei der Gravel-Bike Edition Acros und der Road-Edition Schmolke.

2. Material: Stahl!

Die Form ist aber nicht das einzige Ungewöhnliche am Rahmen. Darin steckt noch ein Entwicklungs- und Ergonomie-Gedanke: nämlich die Flexibilität, die der Werkstoff Stahl ermöglicht. Verwendet wird ein sehr dünnwandiger Stahlaufbau – die meisten E-Bikes oder Fahrräder sind heutzutage aus Alu oder besonders leichte aus Carbon. Das Idee ist unter anderem, das dass der Stahlrahmen durch die charakteristische Biegung etwas flexibel und nachgiebig ist, und das bei gleichzeitig sehr hoher Festigkeit. Die Flexibilität erkennst Du nicht direkt durch ein Einfedern, aber durch das Design soll die „Schwinge“ doch Vibrationen und Unebenheiten des Untergrunds abfangen.

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Urwahn Platzhirsch auf Schotter

Ebikespass

Ich hab’s am Anfang nicht geglaubt, aber es ist tatsächlich so: Der Platzhirsch lässt sich recht angenehm, agil und gleichzeitig ruhig und smooth zum Beispiel auf Schotter und Kies und auch mal durch Waldwege fahren.

3. Rahmenteile aus dem 3D-Drucker

Es steckt noch ein weiteres besonderes Konzept dahinter: Der Rahmen wird in Deutschland designt und dann im 3D-Druck aus  Stahlpulver hergestellt! Ihr hört richtig: dieser Rahmen stammt aus dem 3-D Drucker. Den 3D Drucker übernimmt eine Firma in Dresden, wo sich in den letzten Jahren ein Schwerpunkt für innovative 3D-Druck-Firmen und Forschung gebildet hat.

Zum „Drucken“ genutzt wird ein Stahlpulver (Chrom-Molybdän), und der 3D-Druck erlaubt es, die organisch geformten Verbindungselemente und komplexere Teile des Rahmens auf diese Weise herzustellen; die Formteile werden dann mit Stahlrohren verschweißt. Im Ergebnis kommt ein Look heraus wie aus einem Guss, geschmeidig und organisch ohne jede Naht oder sichtbaren Übergang.

4. Fair Frame: Regionale und handwerkliche Herstellung

Noch ein Highlight zeichnet den Rahmen aus: Die Herstellung des Rahmens ist komplett regional möglich – da muss nichts aus Taiwan oder von China importiert werden. Alle Fertigungsschritte vom Design über den 3D-Druck in Dresden, das Verschweißen der gedruckten Teile mit Stahlrohren sowie das Finishing und die Lackierung erfolgen alle ohne weite Transportwege.

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Green Product Award für Urwahn Platzhirsch

Copyright: Urwahn

Urwahn legt dabei auch Wert auf faire Arbeitsbedingungen bei allen beteiligten Firmen. Deshalb hat das Konzept den Namen „Fair Frame“ bekommen. Dafür gab es auch die Auszeichnung mit dem „Green Product Award 2021“ im Bereich Mobility für den Platzhirsch. Der Preis belohnt das konsequent nachhaltige Konzept und die Machart des Rades als ideales Fortbewegungsmittel für die städtische Mobilitätswende. Über den 3D-Druck und den Gewinn des Preises hatte ich schon berichtet: E-Bike aus dem 3D-Drucker holt grünen Preis.

5. Mahle Hinterradnabenmotor – Pendeln teils mit Rennrad-Tempo

Der ursprüngliche Hersteller des im Urwahn eingesetzten Hinterradnaben-Motors „Ebikemotion“ aus Spanien wurde  2018 vollständig vom deutschen Automobilzulieferer Mahle GmbH aus Stuttgart übernommen.  Der „Ebikemotion“-Motor ist bewährt und wird auch zum Beispiel von Orbea in einigen Pedelecs verwendet. Auch von Specialized setzt Mahle Motoren mit angepasster Software ein (Mittelmotore, danke an den Hinweis von Thomas Bregler in den Kommentaren). Die Power von 40 Newtonmeter Drehmoment ist für Hinterradmotoren eine übliche Größe – viele Hinterradmotoren liefern 40 Nm. Andere Motoren dieser Bauart kommen etwa von Ansmann oder Bafang. Manche Modelle liefern auch mal 50 oder 60 Minuten Newtonmeter, etwa in den Coboc-Pedelecs.

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Mahle Ebikemotion Hinterrad Nabenmotor
Mahle Ebikemotion Hinterrad-Nabenmotor

Ebikespass

Der Mahle-Ebikemotion-Motor passt gut zur Charakteristik des Platzhirsch als Stadtrad. Steigungen im städtischen Bereich bieten überhaupt kein Problem, sogar bis zu 12 oder 13% ist die Unterstützung zu spüren – steiler wird es dem Motor zuviel.

Was mich begeistert hat an diesem Bike: Eine Durchschnittsgeschwindigkeit in der Ebene um die 25 oder bei gutem Windverhältnissen auch mal 28 im Schnitt über längere Abschnitte ohne Ampeln war drin. Du kannst auch noch schneller fahren, ich hab auch 35 km/h geschafft. Vielleicht ist diese Pedelec-Variante sogar die bessere Alternative als ein S-Pedelec, wenn mich schnelles Fortkommen über längere Strecken interessiert.

Der Platzhirsch fühlt sich dann fast wie ein Rennrad an. Er hat natürlich keinen Rennradlenker, du sitzt aerodynamisch nicht ganz so tief drauf wie auf dem Rennrad. Dafür hast Du mehr Kontrolle, da der Lenker etwas breiter ist. Es ist wirklich ein Rad, um sehr schnell von A nach B durch die Stadt zu kommen, sei es zum Pedeln, für Uni oder Freizeit. Da es mit ca. 14,5 kg für ein E-Bike sehr leicht ist, ist es ideal um es öffentlichen Nahverkehr mitzunehmen und kann dazu auch mal Treppen rauf- und runtergetragen werden.

Die 40 Newtonmeter unterstützen Dich darin, dass du nicht schwitzend ankommen musst und dass du selbst bei Gegenwind oder mit leichten Steigungen relativ entspannt ankommst. In einer Stadt mit viel Kopfsteinpflaster würde ich mir Routen drumherum suchen. Sobald Dir Schotter, ein nicht zu weicher Waldweg oder leichter Kiesel unter die Reifen kommt, kannst du wunderbar mit dem Platzhirsch fahren.

Die Reifen (Continental Grand Prix Urban 35-622) sind mit 35mm Breite nicht zu schmal, haben auch noch ein gewisses federndes Element. Continental schreibt über das „BlackChili Compound“ Reifenmaterial: „… einzigartige, nur in Deutschland herstellbare Laufstreifenmischung … Der Zielkonflikt zwischen Grip und Rollwiderstand wurde mit BlackChili Compound auf ein bisher … unerreichtes Niveau gehoben.“

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Ebikemotion App
Ebikemotion App, links unten die Anzeige des Fahrmodus

Als ideale Einsatzzwecke des Reifens werden Rennrad, Training, Wettkampf, Allroad / Gravel Road genannt. Wahrscheinlich tragt der „Grand Prix Urban“ seinen Teil zum schnellen Fahreindruck auf Asphalt bei, der mir großen Spaß gemacht hat.

Der Motor hat übrigens nur einen Kraftsensor. Also keinen Drehmoment-Sensor und keinen Trittfrequenzsensor – ist also minimalistisch ausgelegt wie das ganze Bike. Dazu gehört die Ebikemotion App, die neben Geschwindigkeit, Reichweite, Trittfrequenz  u.a. auch die gerade genutzte Fahrstufe von drei verfügbaren Stufen anzeigt.

Was mir vielleicht noch gefallen würde an dem Rad wäre ein Boost-Button. So dass du an der Ampel noch mal so ein zusätzlichen Push geben könntest und der Motor sich dazu kurzzeitig ein bisschen mehr Kraft aus dem Akku zieht. Ansonsten heißt es wie bei allen E-Bike-Motoren: Beim Ranfahren an eine rote Ampel in einen niedrigen Gang schalten. Dann reagiert der Sensor schneller beim Losfahren.

Apropos Akku: Wir haben hier einen 250 Wh Akku versteckt im Unterrohr. Das klingt zunächst mal nicht viel – bei vielen Ebikes sind 500Wh oder 625 W Stunden üblich.

Bei leichten E-Bikes wie diesem (oder z.B. Specialized SL-Modelle, andere Modelle mit Fazua-Antrieb) reichen aber 250 Wh Stunden – der Motor zieht mit seinen 40 Newtonmeter ja auch nur die Hälfte dessen an Kraft, was ein Mittelmotor wie ein Bosch Performance CX sich aus dem „Energietank“ zieht.

Deswegen finde ich auch ganz besonders interessant, dass Uhrwahn hierzu einen Range-Extender anbietet zur Befestigung am Vorderrohr – nämlich auch noch mal 220 Wh.

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Range Extender in Form einer Trinkflasche
Range Extender 220 Wh in Form einer Trinkflasche

Bild: Urwahn

Damit seid Ihr insgesamt fast bei einer Standard Akku Größe von 500 Wh – und das für einen 40 Newtonmeter Motor. Da könnt Ihr also je nach eigener Kraftzugabe locker bis 150 km und  mehr mit Unterstützung fahren.

6. Die individuellsten Bikes Deutschlands?

Ein ganz besonderes Merkmal bei Urwahn ist die vielseitige Individualisierbarkeit der Bikes. Ihr könnte sie nicht nur verschiedenen Rahmenfarben bestellen wie in diesem Kobaltblau oder in Oxidrot, es gibt sie auch in Gold, in Beton (grau) und in Asphalt (schwarz).

Was aber besonders toll ist: Ihr könnt Euren Platzhirsch in jeder der 213 RAL-Farben bestellen. RAL ist ein Katalog von druckbaren Farben und ihr könnt euch jetzt eine Farbe aussuchen und damit einen top-individuellen Rahmen bestellen. Das finde ich klasse, es kostet relativ wenig Aufpreis im Konfigurator bei urwahnbikes.de.

RAL-Farben zurIndividualisierung für den Platzhirsch

Bild: Urwahn

Außerdem könnt ihr die Bikes in den Farben Eurer Marke „gebrandet“ bestellen – ihr könnt sie mit Eurer CI individualisieren für die Firmen-Radflotte und bekommt dann sehr individuelle und ich finde einzigartige Räder.

Aber es geht noch individueller: Ihr habt die Option, den Stahlrahmen Eures Urwahn Bikes mit einer Galvanisierung veredeln zu lassen. Damit bekommt Ihr ein verkupfertes Bike oder – weitere Option – mit Nickel-Beschichtung, also einen vernickelten Rahmen, der damit total kratzfest und stoßunempfindlich wird.

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Verkupferter Rahmen beim Stadtfuchs
Verkupferter Rahmen beim Urwahn Stadtfuchs

Bild: Urwahn

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Urwahn Stadtfuchs in Vernickelung
Urwahn Stadtfuchs mit vernickeltem Rahmen

Bild: Urwahn

Ich kann mir vorstellen, wenn Du Dir so eine vernickelte Beauty (ob Bike oder E-Bike) bestellst, dass das wirklich ein Baby ist, mit dem Du Freundschaft schließt für viele Jahre. Und ein Produkt, das auf  keinen Fall ein „Wegwerfprodukt“ ist sondern ein tatsächlich nachhaltiges Gefährt für eine kleine Ewigkeit.

7. Variabilität, Einsatzzwecke und Preis

Ein weiterer Punkt, der den Urwahn Platzhirsch auszeichnet: Seine Variabilität. Ich kann vorn an der Gabel Lowrider Gepäcktaschen dran machen, ich kann am Unterrohr entweder den erwähnten Range-Extender Zusatzakku unterbringen oder die Trinkflasche oder auch ein Schloss. Hinten kann wie am Testbike ein vollwertiger Gepäckträger dran, der ist optionales Zubehör von der Marke Tubus. Daran passen Taschen der meisten Taschenhersteller. Ein GPS-Tracker kann im Konfigurator mitbestellt werden. Dass Ihr in Sachen Antrieb zwischen Singlespeed mit Riemen (Gates Carbon Drive CDX mit 60T/20T) und Kettenschaltung (Shimano XT 1/11) wählen könnt, hatte ich bereits erwähnt. Bei Sattel und Handgriffen stehen im Platzhirsch-Konfigurator Markenprodukte von Ergon und Brooks zur Auswahl. Eure hochwertigen Anbauteile wie den schön eingefahrenen Brooks Sattel könnt Ihr optional mit dem Hexlox Sicherungssystem vor Diebstahl schützen.

Das E-Bike samt seiner hochwertigen Komponenten und lauffreudigen Reifen eignet sich also für den Ausflug, für kurze Reisen, fürs schnelle Pendeln oder auch die gemütliche Stadt-Land-Fluß-Tour. Im Konfigurator könnt Ihr als Reifenalternative für vorwiegend Schotter und Kieswege übrigens auch noch den Continental Terra Speed X wählen.

Zum guten Schluß: Der Platzhirsch hat natürlich seinen Preis – er kostet ab 4.499 €. Hier ein paar der Individualisierungsoptionen: Eure „persönliche RAL-Rahmenfarbe“ kostet 300 € Aufpreis, eine Sonderbeschichtung (bezieht sich wohl aufs Branding) schlägt mit 500 € zu Buche und die Vernickelung bzw. Verkupferung mit 600 €. Ich finde das einen ziemlich guten Deal insgesamt für das Gebotene.

Das war die  Vorstellung des Uhrwahn Platzhirsch – allen (zukünftigen) Besitzern können wir gratulieren zu einer wahrscheinlich langen Lebensabschnittspartnerschaft … Ich finde es als Technik-affiner E-Biker immer wieder toll, was der Markt und der Einfallsreichtum der Gründer und Erfinder, Entwickler, Ingenieure, Marketer an Konzepten und Modellen für die e-Mobilität hervorbringt und freue mich schon auf weitere News von Urwahn (und natürlich allen anderen E-Bike-Schmieden dieser Welt) und auf die nächsten Tests..


Apropos News: Wer mit dem Platzhirsch vor allem graveln möchte, der könnte sich demnächst vielleicht auch für eine elektrische Variante des Urwahn Acros Gravel Bikes begeistern (hier ein Teaser-Video zum Acros). Das hat der zweite Gründer und CEO von Urwahn Engineering, Ramón Thomas, im persönlichen Gespräch durchblicken lassen. Es lohnt sich also, die Magdeburger weiter auf dem Schirm zu haben.

Disclaimer: Der Urwahn Platzhirsch wurde mir für einige Tage zur Verfügung gestellt, der Artikel und das Video sind also keine bezahlte Werbung und entsprechen meiner persönlichen Erfahrung und Einschätzung zum getesten E-Bike. Trotzdem: Werbung da Markennennung.

Lasst gerne Eure Ansicht, Fragen oder Erfahrungen zum Urwahn Platzhirsch unten in den Kommentaren da, das hilft auch anderen Lesern, die auf diese Seite hier kommen und ergänzt mein  natürlich subjektives Bild, das sich hier im Text ausdrückt.

Quellen und weitere Info

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Author: ebikespass

E-Bikes verbinden für mich ideal Frischluft, Fitness und eine ordentliche Entdeckungsreichweite ... Ich habe früher Motorradfahren genossen - Pedelecs machen mir heute mindestens genau soviel Spass - und sind dabei gut für die Umwelt, den Körper und die Seele! Ein persönliches Dankeschön an alle, die mit ihren Kommentaren, eigenen Erfahrungen und Fragen diesen E-Bike-Blog weiter aufwerten! Was brachte Euch zum E-Biken? Was macht am meisten Spass, was ärgert Euch? Stellt Ihr Euch noch Fragen vor dem Kauf? Gerne in den Kommentaren Fragen stellen oder Eure Anregungen und Kritik - wir antworten!

2 Kommentare

  1. HINWEIS:
    Specialized verwendet einen Mahle MITTELMOTOR,
    keinen Nabenmotor

    Gruss

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    • Danke für den Hinweis!

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