Brooklyn FAT Legacy – Coboc Singlespeed Fahrbericht

Singlespeeds besitzen keine Gangschaltung, und seit Kindertagen war ich kein Singlespeed mehr gefahren. Warum sollte ich je wieder auf eine Schaltung verzichten, wenn ich schon mal zumindest auf drei Gänge (Torpedo 3-Gang) stolz war?

Nun, Singelespeeds sind in, und: Coboc hat schon mal ein cooles Singlespeed gebaut, das Coboc ONE eCycle, sogar als Sonderedition für den Schauspieler Jürgen Vogel. Jetzt also das Brooklyn FAT, hier gefahren und begutachtet das Sondermodell Brooklyn FAT Legacy – „Street Art“ wie Coboc meint. Wie fährt sich das „Kunstwerk“?

Street Art – immer im falschen Gang?

Bei Singlespeeds muss man wenigstens keine Angst haben, im falschen Gang zu fahren. Man ist einfach immer im falschen … So lässt sich die scherzhafte Antwort des Users aus Reddit (s.u.) übersetzen, auf eine Frage, was den Reiz von Singlespeed-Bikes ausmache.

Coboc Brooklyn FAT Legacy im RAW Finish

Singlespeeds, lese ich, sind zum Beispiel bei Kurieren beliebt. Und warum?

  1. Ohne Schaltung kann es daran keine Defekte geben. Klingt logisch, na gut.
  2. Singlespeed-Bikes sind leichter als Bikes mit Schaltwerk, Ritzel und Kettenblättern. Check.
  3. Kuriere und Lieferradler bevorzugen das direkte Tretgefühl – ohne die Möglichkeit zu schalten, können sich Fahrer voll auf ihre Fahrt und die Straßenbedingungen konzentrieren. Ja, kann bei hektischen Lieferungen in New York, München oder Heidelberg ein Argument sein
  4. Am überzeugendsten finde ich die Effizienz bei flachem Terrain: Im brettl-ebenen urban jungle reicht ein einziger Gang halt aus, um effizient und schnell sein Ziel zu erreichen.

„You don’t have to worry about being in the wrong gear because you are always in the wrong gear. :)“

User bei reddit.com über Singlespeed fahren

https://www.reddit.com/r/bicycling/comments/179p21u/whats_the_appeal_of_single_speed_bikes/

Das Brooklyn FAT Legacy ist übrigens kein Fixie, wie es einige hardcore-Kuriere lieben. Einen Freilauf hat das Bike durchaus, und Bremsen, dankenswerterweise.

Zu den praktischen Vorteilen der Reduktion (Gewicht, Wartung …) kommt bei Coboc auch wieder der bewußte Design-Minimalismus der Slim-Bikes dazu, akzentuiert mit hochwertigen Komponenten wie dem Brooks-Sattel und den Brooks-Griffen. Spartanisch, praktisch, schön und gut?

Singlespeed Pedelec: Weniger ist besser?

Weniger ist besser – das ist ein valides, vom Bauhaus inspiriertes Design-Prinzip – alle von Coboc gebauten und so benannten „Slim-E-Bikes“ folgen dieser Maxime.

Gutes Design lebt ja vom Weglassen. So war Jonathan Ive, ehemaliger Apple-Chefdesigner, bekannt für seine minimalistische Designästhetik, inspiriert von Dieter Rams, dem Industriedesigner bei Braun. Von „Street Art“ spricht auch Cobocs Pressemeldung zum Brooklyn FAT Legacy.


Ohne Schaltung, ohne Kette, ohne Farbe, ohne Lack …

Beim Sondermodell Legacy wird einiges weggelassen: etwa Farbe und Lack.

Mit dem geschliffenem und nicht lackiertem Alurahmen – dem „RAW Finish“ – erhält das BrooklynFAT Legacy einen fast einzigartigen, down-to earth daherkommenden, industrial Charakter. Dass der Akku (hier 360 Wh) im Vorderrohr fest integriert ist, damit müsst ihr bei Coboc leben können.

Beim Brooklyn FAT fällt auch die Schaltung weg, ebenso Kette und Kettenfett. Stattdessen: ein sauberer und leiser Carbonriemen mit hoher Haltbarkeit. Hier ist das weniger tatsächlich ein mehr: Saubere Hände, saubere Hosen, und auch beim Tragen des E-Bikes treppauf machen sich der Gewichtsvorteil (13,5 kg) und das saubere Handling positiv bemerkbar.

Carbonriemen, Singlespeed Kettenblatt, Trennmöglichkeit des Hinterbaus zum Riemenwechsel

Das relativiert sich nur bei Schmuddelwetter: Denn was im Modell noch dem Less is more geopfert wird, sind Schutzbleche und Gepäckträger. Möglichwerweise kommt das als Zubehör oder in den Konfigurator auf der Coboc Website noch dazu.

Bemerkenswert: Trotz Minimalismus ist der Alu-6000 Rahmen so stark, wie er aussieht: Davon überzeugt das zulässige Gesamtgewicht von 140 kg. Höchst selten bei einem leichten E-Bike!

Retro-Akzente, Widersprüche in Szene gesetzt

Mit den ockerbraunen Flanken (Reminiszenz an früheres Naturkautschuk-Material) der Schwalbe G-One-2-Zoll Gravelpneus, und den Lederelementen in Form von Brooks-Sattel und Brooks Lenkergriffen kommt noch Vintage-Charakter dazu.

Das Bike ruft Sympathien hervor: modern aber retro … Das macht man sich doch gerne zu eigen. Wenn Ihr so wollt: Ein zeitloses, episches E-Bike.

Minimalisumus und E-Motor? Leder und Rohmetall? Speed und Breitreifen? Das sind Widersprüche, die durchaus Spannung erzeugen. Die das Brooklyn FAT Legacy Edition auch spannend machen.


Statement-Piece und Fahrmaschine

Ein Singlespeed-Bike zu fahren, auch als E-Bike, ist ein Statement. Der bewußte Verzicht, die klare Entscheidung für weniger, auch weniger an Komfort. Die Verpflichtung zu eigener Performance, zum gelegentlichen genußvollen Leiden am eigenen sportlichen Anspruch, zur Fahr-Maschine.

Etwa wenn es steil aufwärts geht oder jedes Anfahren mit dem Wiegetritt beginnt.

„Perfect marriage between man and machine, Every stroke is you.“

User bei reddit.com über Singlespeed fahren

https://www.reddit.com/r/bicycling/comments/179p21u/whats_the_appeal_of_single_speed_bikes/

Zu viel Leid muss es ja nicht sein, dafür sorgt der Coboc Hinterradmotor.


Der neue Coboc Hinterrad-Nabenmotor

Coboc’s Markenidentität war schon bislang mit leichten, fast unsichtbaren Hinterradnabenmotoren verbunden. Seit etwa drei Jahren entwickelt und produziert Coboc die Motoren und die Motorsteuerung selbst. Diesen Coboc Electric Drive Motor CBC02 bin ich hier im Brooklyn FAT Legacy zum ersten Mal gefahren. Und ich nehme ihm die versprochenen 50 Nm Drehmoment ab. Die Steuerung inklusive Drehmomentsensor sorgt für ein intuitives und organisches Fahrgefühl.

Er hilft auch bei steileren Steigungen deutlich (wo ich ja nicht runterschalten kann – Singlespeed), verspricht auch bei Gegenwind flottes Vorankommen, genauso bei etwas hügeligeren Städten und Umland.

Die Wolfsbrunnensteige in Heidelberg Schlierbach: ca 1 Kilometer Meter langer Anstieg mit stellenweise 12% Steigung. Der Motor unterstützt effektiv, auch ohne Schaltung war der Anstieg ganz gut zu schaffen.

Auch die Gravel-/Schotter-Bereifung mit den Schwalbe G-One passt ganz gut zum Gesamtkonzept. Feld- und Wanderwege bremsen den Bewegungsdrang nicht aus.

Coboc Brooklyn FAT Legacy – Die Daten:

  • Rahmen: Aluminium 6000
  • Farbe: RAW Finish
  • Gabel: Carbon in schwarz, matt
  • Motor: Coboc Electric Drive, CBC02, 250W/500W max, Hinterrad-Nabenmotor
  • Drehmoment: 50 Nm
  • Akku: Li-Ion, 36 V, 360 Wh, integriert
  • Ladedauer: 2,5 Stunden
  • Reichweite: 70 – 100 km
  • Sattel: Brooks Cambium C17
  • Griffe: Brooks Cambium Comfort
  • Bremsen: Tektro HD-T281, 160 mm, hydr. Scheibenbremsen
  • Vorderlicht: Supernova E-Bike Mini 2, 235 Lumen
  • Rücklicht: Coboc LED Seatpost
  • Reifen: Schwalbe G-ONE Speed 650b, 50 mm (27,5 x 2,00, 650B)
  • Pedale: Coboc URBs, CNC Aluminium
  • Rahmengrößen: S, M, L
  • Gewicht: 13,5 kg
  • Zul. Gesamtgewicht: 140 kg
  • UVP (Deutschland): 3.999,00 EUR oder ab 83,- EUR/Monat
  • Hersteller: Coboc GmbH und Co. KG, Heidelberg
Das Brooklyn Fat Legacy in seinem Biotop: der Stadt. Mit der Motorunterstützung sind auch lange schnelle Passagen kein Problem, der Singlespeed-Antrieb ist hier ideal – gewöhnungsbedürftig nur beim Anfahren.


Smart sind die Coboc Bikes auch

Nicht nur Konstruktion und Fahrzeugbau, auch die elektrischen Antriebskomponenten sind bei Coboc Eigenentwicklungen – inklusive Software und die Coboc App. Jedes Coboc E-Bike kommt mit zwei vordefinierten Fahrmodi – Regular und Power. Die können im Ansprechverhalten und in der Unterstützung über die App angepasst werden. Ein Dashboard eignet sich fürs Smartphone zur Anzeige während der Fahrt zu Speed, Modus, Akkustand und Strecke.


Fazit

Das Brooklyn FAT Legacy mit RAW Finish im retro-minimalistischen Design macht einen starken Eindruck – tatsächlich ein Stück Street Art, das im Museum hängen könnte – wie es Cobocs Presse und Messestand versprochen hatte.

Ein tolles E-Bike mit starkem Motor und individuellem Charakter.

Ein paar Schutzbleche, und wenn es nach mir ginge eine schicke 11-Gang-Gravel-Schaltung, würden dem Gesamteindruck meines Erachtens nicht schaden.


Quellen:

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Author: ebikespass

Hallo, ich bin Günter. E-Bikes verbinden für mich ideal Fitness und eine ordentliche Entdeckungsreichweite ... Die Elektrofahrräder tun Umwelt, Körper und Seele gut! Für den Blog teile ich meine technische Neugier und berichte über neue Modelle. Ein persönliches Dankeschön an alle, die mit ihren Kommentaren, eigenen Erfahrungen und Fragen diesen E-Bike-Blog weiter aufwerten und anderen weiterhelfen!

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