Schon 2023 hatte ich im Außenbereich der Eurobike einen zweistöckigen DJI Messebau gesehen, aber gar nicht betreten – was wollte auch der Freizeitdrohnen-Hersteller DJI auf einer E-Bike Messe? Als der chinesische Konzern (DJI steht für Da-Jiang Innovations) dann 2024 mit dem starken Avinox-Motor (M1, EMTB Mittelmotor) in den Markt einstieg, war das schon ein Paukenschlag. Inzwischen ist klar: Die Chinesen bereiteten seit 2023 einen fulminanten Einstieg in den europäischen E-Bike-Motoren Markt vor – und gleich noch den als E-Bike-Hersteller (Amflow) dazu. Forderte DJI mit dem Avinox die etablierten Hersteller tatsächlich heraus?
Für 2026 legt DJI mit dem Avinox M2 und M2S nochmal nach. Und wenn ich mir die ersten Tests ansehe, reden wir hier nicht von einem kleinen Update, sondern von einem weiteren Meilenstein (es fragt sich nur: auf welchem Weg eigentlich?).
Ich habe mir die ersten ausführlichen Reviews zum Avinox M2/M2S angesehen – einmal den harten Labortest von @VelomotionMagazin und einmal den Praxis-Review von US-Youtuber Francis (@EMTBReview), der den Motor bereits einen Monat lang auf dem Trail gefahren ist. Dazu noch Eindrücke von @RobRidesEMTB. Was dabei herauskam, ist für uns E-Biker extrem spannend.
Der Hersteller bewirbt sein Avinox Drive System mit dem Slogan: „Power Your Ride“. Schauen wir mal, ob das in der Praxis auch so ankommt.
Die nackten Zahlen: 1500 Watt und 150 Nm
Fangen wir mit dem an, was auf dem Papier steht. Der Avinox M2S liefert in der Spitze 1500 Watt Leistung und ein Drehmoment von 150 Nm (im Boost-Modus für bis zu 60 Sekunden). Die kontinuierliche Leistung liegt bei 130 Nm. Zum Vergleich: Ein aktueller Bosch CX Gen 5 liefert 100 Nm und rund 750 Watt Peak.
Dabei wiegt der M2S gerade einmal 2,58 kg und ist damit sogar leichter als der Bosch-Motor (2,8 kg). Avinox (bzw. DJI) erreicht das durch eine neuartige Flachdraht-Wicklung der Spulen, die sich dichter packen lässt.
Die neuen Akkus: Schlank und ausdauernd
Um diese gewaltige Leistung abzurufen, braucht es spezielle Akkus. Avinox hat drei neue Modelle vorgestellt:
- FP700 (700 Wh, 3,18 kg): Fest verbaut, nutzt speziell entwickelte Hochstromzellen. Nur mit diesem Akku (oder dem RS800) gibt der Motor die vollen 1500 Watt frei.
- RS600 (600 Wh, 2,96 kg) & RS800 (800 Wh, 4,0 kg): Entnehmbare Akkus.
Was mir besonders gefällt: Die Akkus sind extrem lang und schmal gebaut. Dadurch können die Hersteller sehr schlanke Unterrohre konstruieren. Ein Avinox-angetriebenes E-MTB mit 800 Wh sieht damit nicht aus wie ein Traktor 🙂
Video 1: Velomotion im Labor-Härtetest
Kanal: Velomotion Magazin
Dauer: 46:53 Min. | Datum: 9. April 2026
Michael Faiß von Velomotion hat den Motor auf den Prüfstand geschnallt. Und die Ergebnisse sind beeindruckend.
Leistung und Kadenz
Im Labor wurden tatsächlich rund 1450 Watt gemessen (bei ca. 130 Watt Eigenleistung des Fahrers). Der Motor hält also, was das Datenblatt verspricht. Besonders spannend für sportliche Fahrer: Der Motor unterstützt auch bei sehr hohen Trittfrequenzen (bis zu 150 RPM) ohne Leistungsabfall. Die Kadenzkurve ist laut Velomotion tadellos.
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Screenshot vom Velomotion YT Kanal
Der Hitzetest: Wo viel Leistung ist…
Interessant wird es beim thermischen Härtetest (Dauer-Volllast bei 250 W Fahrerleistung). Mit dem neuen FP700-Akku hält der Motor die wahnwitzigen 1400 Watt für über 20 Minuten fast ohne Leistungsabfall durch. Das Problem dabei: Das Motorgehäuse erhitzte sich auf über 123°C. Michael warnt hier ausdrücklich vor Verbrennungsgefahr an den Waden. Auch wenn das ein extremes Laborszenario ist, zeigt es, dass der Motor thermisch ans absolute Limit getrieben wird.
Praxis-Eindrücke von Velomotion
Auf dem Trail lobt Velomotion vor allem die Lautstärke bzw. Ruhe. Der Motor sei „erschreckend leise“ – leiser als der Vorgänger M1, leiser als der Bosch CX Gen 5 und auf dem Niveau eines Light-E-Bike-Motors (wie dem TQ HPR50).
Einen Kritikpunkt gibt es beim Overrun (Nachlauf). Während Bosch hier dynamisch auf den Pedaldruck reagiert, ist der Nachlauf bei Avinox statisch über die App eingestellt. In technischen Uphill-Passagen fühlt sich das laut Tester nicht ganz so organisch an wie beim Bosch CX.
Timestamps (Velomotion):
– 01:46 – Technische Daten und die neuen Akkus
– 08:28 – Labor-Daten: Leistung und Kadenz
– 16:02 – Thermische Stabilität im Härtetest
– 29:50 – Praxis-Test auf dem Trail und Fazit
Endlich schneller laden
Was im obigen Video nur nebenbei erwähnt wurde, ist das schnelle Laden der Akkus: Mit bis zu 75% Ladung in 1 Stunde und bis 100% Ladung in 1,5 bis 2,5 Stunden hängt Avinox das Feld der Wettbewerber deutlich ab. Zwischenladen im Café oder auf der Hütte wird endlich sinnvoll und kann die Reichweite effektiv verlängern. Mehrtagestouren brauchen weniger Planung rund ums Laden.
Das macht das Avinox-System m.E. nicht nur in der E-MTB-Sport-Nische interessant, sondern auch für Tourenbikes (wobei es dafür noch keine E-Bike-Modelle gibt meines Wissens). Von Amflow wird es 2026 passend dazu auch eine Variante mit herausnehmbaren Akku geben.
Und noch ein Feature, das mich begeistert: Die Bedieneinheit im oberen Rahmenrohr ist ein Stück UX-Design Kunst und anderen meilenweit voraus.
Video 2: E-MTB Review auf dem Trail
Kanal: E-MTB Review (Francis)
Dauer: 20:57 Min. | Datum: 9. April 2026
Während Velomotion die Motoren im Labor misst, war Francis vom unabhängigen Kanal E-MTB Review einen ganzen Monat lang mit dem neuen Pivot Shuttle AMP’d (ausgestattet mit dem M2S) auf den Trails unterwegs.
Die Kinderkrankheiten sind weg
Der Vorgänger (Avinox M1) hatte zwei große Probleme: Er klapperte beim Bergabrollen und hatte einen spürbaren Tretwiderstand, wenn der Motor aus war. Francis bestätigt: Beides ist beim M2S komplett Geschichte. Durch ein neues Dual-Gear-Design (Zahnradsystem) wurde das Klappern eliminiert. Und der Tretwiderstand? Praktisch nicht mehr vorhanden. Das Bike fährt sich ohne Motor wie ein normales Fahrrad.
Uphill-Performance, die alles in den Schatten stellt
Francis hat den Motor auf seiner standardisierten Teststrecke (1 Meile, 150 Höhenmeter, konstante 200 Watt Fahrerleistung) gegen die Konkurrenz antreten lassen. Das Ergebnis ist deutlich (Auszug:
1. Pivot Shuttle AM (Avinox M2S): 3:10,7 Minuten
2. Specialized Gen 4 Levo S-Works: 3:39,8 Minuten
3. Bosch CX5 (100 Nm): 4:12,5 Minuten
Der M2S deklassiert die etablierte Konkurrenz beim reinen Uphill-Speed auf einer technisch einfachen „fire road“. Francis misst zudem eine Lautstärke von nur 45 Dezibel – was sich mit den Eindrücken von Velomotion deckt.
Die Kehrseite der Medaille
Wo Licht ist, ist auch Schatten. Francis weist darauf hin, dass der Stromverbrauch im Turbo-Modus enorm ist. Wer die vollen 1300 Watt abruft, saugt den 800-Wh-Akku in knapp 40 Minuten leer. Hier ist also ein gutes Akku-Management durch den Fahrer gefragt.
Timestamps (E-MTB Review):
– 00:00 – Intro und Vorstellung des Pivot Shuttle AMP’d
– 04:15 – Beseitigung von Klappern und Tretwiderstand
– 08:30 – Lautstärke-Messung (45 dB)
– 12:45 – Uphill Speed Test gegen Bosch und Specialized
– 18:20 – Fazit und Ausblick
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Screenshot vom YT-Kanal @EMTBReview
Und was sagt Rob Rides EMTB?
Auch Rob Rides EMTB – mit 1,1 Millionen Abonnenten einer der größten E-MTB-Kanäle weltweit – hat sich gerade zum Avinox-System geäußert.
In seinem Video zum neuen Amflow PR (10:08 Min., 9. April 2026) testet er das Amflow PR mit dem etwas schwächeren Avinox M2-Motor (1100 Watt, 125 Nm Boost).
Sein Urteil zum Motor: „a really powerful, punchy, compact and fairly lightweight motor system“.
Besonders beeindruckt ihn das Preis-Leistungs-Verhältnis des Gesamtpakets – Rob nennt das Bike schlicht „one of the most exciting releases of the last three or four years“.
Zum Avinox-System selbst stellt er fest, dass es trotz entnehmbarem 800-Wh-Akku nicht dicker als ein Bosch-Bike mit festem Akku ist – „perhaps even slimmer“.
Das Amflow PR Carbon | Avinox M2 Motor | 800 Wh gibt es derzeit zum Vorbestellen, etwa hier ab 4.499 Euro:
https://2-cycle.de/products/amflow-pr-carbon-avinox-m2-motor-800-wh
Das Amflow PR Carbon Pro | Avinox M2S Motor | 800 Wh hier:
https://2-cycle.de/products/amflow-pr-carbon-pro-m2s-motor-800-wh
Unerwartet stark, wohin die Reise geht, bleibt spannend
Wenn ich mir die drei Testberichte ansehe, komme ich zu einem klaren Schluss: DJI/Avinox meint es ernst. Sehr ernst. Sie haben nicht nur die Kinderkrankheiten der ersten Generation behoben, sondern ein Kraftpaket auf die Beine gestellt, das kleiner, leichter, leiser und signifikant stärker ist als der aktuelle Industrie-Benchmark von Bosch oder Shimano.
Für uns als Fahrer bedeutet das: Wir bekommen Bikes, die bergauf fast schon Motocross-Feeling vermitteln (bis 25 kh/h nur, logisch), bergab aber durch das geringe Motorgewicht und auch durch den fehlenden Tretwiderstand (beim M2 ist der gegenüber dem M1 nochmal ca. 40% reduziert) extrem agil bleiben. Die Kehrseite ist die enorme Hitzeentwicklung unter Volllast und der hohe Akkuverbrauch, wenn man die Leistung permanent abruft. Aber der Avinox-Antrieb könnte auch ein flowiger Touren-Motor in eher leichten E-Bikes sein, nur im Eco oder Trail-Modus und dann mit genug Reichweite.
Dass die Industrie an das System glaubt, zeigt sich daran, dass bereits rund 20 große Bike-Marken (darunter Pivot, Canyon, Mondraker, YT) Verträge für den Avinox-Motor unterzeichnet haben. Wir werden diesen Motor in der Saison 2026/2027 also sehr oft sehen. Eine Übersicht aktueller E-Bike-Modelle mit Avinox Motoren bietet Velomotion hier.
DJI mischt den Markt auf
Für die anderen Hersteller, allen voran Bosch, bedeutet das schwierige Hausaufgaben: Motorleistung, Akkus und Zelltechnologie, Ladegeschwindigkeit, Preisdruck.
DJI, ein Konzern, der stark in Forschung und Entwicklung investiert, bei dem rund ein Viertel der Belegschaft in Research & Development arbeitet, mischt tatsächlich den E-Bike-Markt auf. Meiner Vermutung nach bleibt es nicht bei der momentan schmalen Nische der sportlich-ambitionierten E-MTB-Fahrer und E-MTB-Einsteiger, die vom Bio-Mountainbike kommen.
Was denkt Ihr darüber? Brauchen wir 1500 Watt am E-MTB, oder ist das der berühmte Schritt zu viel? Schreibt es mir gerne in die Kommentare unten!
Quellen:
- Velomotion Magazin: „AVINOX M2S im Test: Ein Meilenstein für E-Bikes?“ (YouTube)
- E-MTB Review: „Avinox M2S First Ride: More Power, No Rattle, Minimal Drag?!“ (YouTube)
- Rob Rides EMTB: „Amflow Just Broke the eMTB Market“ (YouTube)
- Offizielle Herstellerseite: Avinox Drive Units
- Beitragsbild oben: Amflow E-Bikes Website

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