Canyon bringt mit dem neuen Strive:ON ein spannendes E-MTB für Enduro-Fans. Der Direktversender kombiniert den neuen Bosch Performance Line CX Gen 5 Motor mit Vollcarbon-Rahmen und viel Federweg – und bleibt beim Preis überraschend bodenständig: Los geht es ab 4.999 Euro.
Schon das erste Strive:ON gewann 2023 die E-Enduro World Series (E-EDR) und sammelte weltweit zahlreiche Test- und Kauftipps. Das neue Strive:ON soll nun laut Canyon leistungsstärker, langlebiger und noch besser sein. Etwa soll die absichtlich erhöhte Nachgiebigkeit in den Sitz- und Kettenstreben für weniger Nervosität und mehr Grip auf dem Trail sorgen.
Wir haben uns die ersten Tests von Velomotion und Mountain Bike Rider (MBR) angesehen. Wie gut funktioniert das Konzept in der Praxis? Und reicht das Paket, um teureren E-Enduros Konkurrenz zu machen?
E-Mountainbikes sind in den vergangenen Jahren deutlich teurer geworden. Modelle für 8.000, 10.000 oder sogar 12.000 Euro werden fast selbstverständlich angeboten. Hier setzt Canyon an: Das neue Strive:ON startet knapp unter der 5.000-Euro-Marke, das Topmodell CFR liegt bei 7.499 Euro.
Beim Motor verbaut Canyon bereits den neuen Bosch CX Gen 5. Beim Akku bleibt der Hersteller dagegen beim bekannten 750-Wh-System. Der größere 800-Wh-Akku passt nicht in den bestehenden Rahmen der bisherigen Strive:ON-Generation.
Die spannende Frage: Clevere Kostenkontrolle oder ein technischer Nachteil gegenüber neu entwickelten E-MTBs?
Velomotion: „Eine absolute Ballerbude“
Michael Faiß von Velomotion hat das neue Strive:ON ausführlich getestet. Sein Fazit fällt eindeutig aus: Canyon besinnt sich auf seine Wurzeln als „Value Brand“. Anstatt den Rahmen für den neuen Akku und das Kiox-Display komplett neu zu entwickeln – was das Rad massiv verteuert hätte –, konzentriert man sich auf maximale Performance zu einem attraktiven Preis.
Auf dem Trail zeigt das Strive:ON sein wahres Gesicht. Michael beschreibt es als „absolute Ballerbude“. Die progressive Geometrie und das straffe Fahrwerk (170 mm vorne, 160 mm hinten) blühen erst bei hohen Geschwindigkeiten und in ruppigem Gelände richtig auf. Besonders beeindruckt ist er von der Geräuschkulisse: Das Bike ist „flüsterleise“. Weder der neue Bosch-Motor noch die Züge klappern.
Apropos Züge: Canyon verzichtet auf die unbeliebte Verlegung durch den Steuersatz und führt die Kabel klassisch seitlich am Steuerrohr in den Rahmen. Jeder Schrauber ist dankbar dafür. Auch die Akku-Entnahme per „Slide-Out“ nach unten (gesichert mit nur einer Schraube) hebt Michael Faiß lobend hervor.
Die wichtigsten Timestamps aus dem Velomotion-Video:
- [01:35] Das größte Upgrade: Der neue Bosch CX Gen 5 Motor
- [02:43] Die Akku-Strategie: Warum weiterhin 750 Wh?
- [05:39] Lob für die klassische Zugverlegung
- [10:54] Praxiseindrücke auf dem Trail
- [12:24] Geräuschkulisse (flüsterleiser Motor)
Mountain Bike Rider (MBR): „Evolution statt Revolution“
Danny Milner vom britischen Magazin Mountain Bike Rider (MBR) reiste direkt zum Canyon HQ nach Koblenz, um das Strive:ON zu testen. Er bestätigt das fantastische, fehlerverzeihende Handling des Chassis. Das Bike bügelt laut Danny Linienfehler mühelos aus und nimmt Geschwindigkeit extrem gut mit.
Doch Danny zieht auch einen harten Vergleich zur Konkurrenz, insbesondere zu den neuen Bikes mit Avinox M2S Motor. Sein Kritikpunkt: Der Bosch 750-Wh-Akku nutzt ältere Zelltechnologie. Ein vergleichbarer Avinox-Akku mit 700 Wh ist satte 1,2 Kilogramm leichter. Zudem fehlt dem Canyon ein echtes Display (es gibt nur die LED-Anzeige im Oberrohr) und eine Schnellladefunktion.
Für Danny fühlt sich das Antriebssystem an, als müsse es einen Rückstand aufholen. Sein Fazit: Das Chassis ist nach wie vor fantastisch, aber bei der Motoren- und Akkutechnologie jagt das Strive:ON aktuell eher dem Feld hinterher, anstatt es anzuführen.
Die wichtigsten Timestamps aus dem MBR-Video:
- [01:15] Technische Neuerungen (Motor, Zugverlegung, K.I.S.)
- [02:30] Akku-Strategie & harter Vergleich mit Avinox
- [03:45] Praxiseindrücke auf dem Trail
- [04:53] Preisgestaltung & abschließendes Fazit
Die Strive:ON Modelle im Überblick
Canyon bietet drei Varianten an, die alle auf dem gleichen Vollcarbon-Rahmen basieren und auf ein Mullet-Setup (29″ vorne, 27,5″ hinten) setzen. Alle Modelle verfügen zudem über das K.I.S. (Keep It Stable) System, eine mechanische Lenkungsstabilisierung.
| Modell | Preis | Motor | Gabel | Dämpfer |
| CF 8 | 4.999 € | Bosch CX Gen 5 | RockShox Domain R | SuperDeluxe Base |
|---|---|---|---|---|
| CF 9 | 6.499 € | Bosch CX Gen 5 | Fox 38 Perf. Elite | Float X2 Perf. |
| CFR | 7.499 € | Bosch CX-Race | RockShox ZEB Ultimate | Vivid Ultimate |
Tipp der Redaktion: Das CF 9 bietet für 6.499 Euro mit dem Fox Factory/Performance Elite Fahrwerk das beste Preis-Leistungs-Verhältnis.
Mein Fazit zum Strive:ON: Clevere Preisstrategie, kleinere Kompromissen
Canyon bewirbt das Strive:ON mit dem Slogan „Race forged. Trail proven. Pure electric.“ Damit positioniert Canyon das neue Strive:ON (2026) klar als sportliches E-Enduro für anspruchsvolle Trails und schnelle Abfahrten. Genau dort scheint das Bike auch seine Stärken auszuspielen. Die ersten Tests loben vor allem das Fahrwerk, den ruhigen Charakter und den neuen Bosch CX Gen 5 Motor.
Beim Konzept geht Canyon allerdings einen etwas anderen Weg. Der Hersteller setzt weiterhin auf den bestehenden Rahmen und kombiniert ihn mit dem bewährten 750-Wh-Akku. Der größere 800-Wh-Akku bleibt außen vor.
Klar: Beim Gewicht und bei den technischen Eckdaten gibt es inzwischen modernere E-MTBs. Vor allem Bikes mit DJI-Avinox-Antrieb oder neuen Akku-Konzepten wirken auf dem Papier teilweise fortschrittlicher.
Auf der anderen Seite bekommst du hier ein Vollcarbon-Enduro mit aktuellem Bosch-Motor, viel Federweg und hochwertiger Ausstattung zu einem Preis, der in dieser Klasse aktuell eher selten geworden ist.
Genau das könnte für viele von euch am Ende wichtiger sein als der letzte technische Superlativ oder ein paar zusätzliche Wattstunden.
Spannend wird vor allem die Frage, wie sich das neue Strive:ON im Alltag schlägt. Reicht das Gesamtpaket aus Preis, Fahrwerk und Motor aus, um gegen deutlich teurere E-Enduros zu bestehen?
Was meint ihr: Würdest du für den günstigeren Preis die genannten Kompromisse eingehen?
Quellen:

