Stiftung Warentest 2026: Urban E-Bikes im Test [mit Statement zum Lidl Crivit]

Die Stiftung Warentest hat sich pünktlich zur Fahrradsaison (in Ausgabe 05/2026) wieder E-Bikes vorgenommen, diesmal Urban E-Bikes. Das sind diese schlanken, oft minimalistischen Stadtflitzer, die meist unter 20 Kilo wiegen und optisch kaum noch von einem normalen Bio-/Muskel-Bike zu unterscheiden sind.

Zehn Modelle zwischen 1.199 und 3.718 Euro mussten sich im Labor und auf der Straße beweisen. Das Ergebnis ist erfreulich: Fünf der zehn Räder bekamen die Note „Gut“. Doch der Test zeigt auch, dass man beim Kauf genau hinschauen muss – vor allem beim Akku und bei der Verarbeitung.

Schauen wir uns die Ergebnisse und die spannendsten Modelle mal genauer an.

Der Testsieger: Lekker Bikes Amsterdam Urban Gen3

Ganz oben auf dem Treppchen steht ein Rad mit niederländischen Wurzeln: Das Lekker Bikes Amsterdam Urban Gen3 sichert sich mit der Note 2,2 („Gut“) den Testsieg.

Das Lekker Bike bringt rund 21 Kilo auf die Waage und setzt auf einen Bafang-Mittelmotor (70 Nm) in Kombination mit einer automatischen 3-Gang-Nabenschaltung von Bafang. Lekker spricht von der „revolutionären Bafang Automatik-3-Gang-Nabenschaltung“ – und das ist wirklich etwas Besonderes. Ein weiterer großer Pluspunkt: Der Akku lässt sich zum Laden entnehmen.

Ein unabhängiger Test auf dem YouTube-Kanal Electric Chris (Video: „Lekker’s NEW Gen 3 Amsterdam Urban ebike„) bestätigt den positiven Eindruck der Stiftung Warentest. Der Tester lobt besonders die o.g. Bafang Automatik-Nabenschaltung, mit der man auch im Stand schalten kann – ideal für den Stop-and-Go-Verkehr in der Stadt (ab Minute 03:00). Auch die Bedienung über einen einzigen, in den Rahmen integrierten Knopf für Motor und Licht wird als extrem intuitiv hervorgehoben (ab Minute 06:31). Ein kleiner Kritikpunkt im Video: Der Frontmotor braucht etwa ein bis zwei Kurbelumdrehungen, bis er einsetzt. Dennoch ist das Lekker ein hervorragendes, wartungsarmes Pendler-Bike, mit dem man garantiert unverschwitzt im Büro ankommt.

Weitere Top-Modelle: Lemmo One MK2 und Vanmoof S6

Dicht hinter dem Testsieger folgen zwei sehr unterschiedliche Konzepte, die beide die Note 2,5 („Gut“) erhielten: Das Lemmo One MK2 und das Vanmoof S6.

Das **Vanmoof S6** (ca. 3.298 Euro) markiert das Comeback der Amsterdamer Kultmarke. Es bringt die typische, cleane Vanmoof-Optik mit, ist aber mit rund 24 Kilo für ein Urban E-Bike ziemlich schwer. Ein großer Kritikpunkt der Tester: Der Akku ist fest verbaut. Wer keine Steckdose im Fahrradkeller hat, muss das schwere Rad in die Wohnung wuchten.

Ganz anders das **Lemmo One MK2** (ca. 2.200 Euro). Der Clou beim Lemmo ist das sogenannte „Smartpac“ – der Akku (530 Wh) sitzt wie eine kleine Tasche im Rahmendreieck, lässt sich leicht abnehmen und dient sogar als Powerbank für Laptop oder Smartphone. Noch spannender finde ich aber die mechanische Kupplung am Hinterradmotor. Du kannst den Motor komplett entkoppeln. Das Rad fährt sich dann wie ein ganz normales, 15 Kilo leichtes Bio-Bike, ohne jeden Tretwiderstand.

Der Preistipp: Tenways CGO600 New Edition

Ein Highlight im Test ist das in den Liederlanden designte und in China, Portugal und Litauen produzierte Tenways CGO600 New Edition. Mit einem Preis von nur 1.199 Euro ist es das mit Abstand günstigste Rad unter den „Guten“ des Tests und sichert sich völlig zu Recht den Titel als Preistipp.

Das Tenways ist ein klassisches Single-Speed-Bike mit Riemenantrieb. Das bedeutet: Keine Gangschaltung, keine ölige Kette, extrem wartungsarm. Der Mivice-Hinterradmotor wird über einen Drehmomentsensor gesteuert. Der Motor reagiert nicht erst, wenn sich die Kurbel dreht, sondern sofort, wenn du Druck aufs Pedal gibst. Das Fahrgefühl ist dadurch unglaublich direkt und natürlich.

Mit nur 17 Kilo lässt sich das Tenways auch mal entspannt die Treppe hochtragen. Der Akku ist zwar in den Rahmen integriert, lässt sich zum Laden aber entnehmen. Ein kleiner Kritikpunkt der Stiftung Warentest: Die gemessene Akkukapazität lag mit 215 Wh unter den versprochenen 280 Wh. Für die tägliche Pendelstrecke in der Stadt reicht das aber locker.

Ich hatte kürzlich ein Tenways Singlespeed an der Atlantikküste in Portugal ausgeliehen (es war ein CGO600 Classic Edition mit s/w OLED Display). Nach ca. 25 Kilometern – bei wenigen Höhenmetern (~50) aber leichtem Gegenwind über die Hälfte der Strecke – waren noch 75% Akkureserve vorhanden, und zwar mit dem 36 V, 7 Ah Lithium-Ionen-Akku (also 256 Wh). Es fuhr sich tatsächlich leicht, agil, leise und auch ohne Strom ohne merklichen Widerstand. Der Einsatz als Leih-E-Bike scheint die Robustheit der Marke und der Modelle zu bestätigen. Ein E-Bike mit niederländischem Konzept, aus portugiesischer Produktion zum Verleih in Portugal an der flachen Atlantikküste, klingt stimmig.

Singlespeed oder Schaltung: Was passt zu dir?

Apropos Antrieb: Sowohl das Tenways als auch das Coboc setzen auf den puristischen Singlespeed-Antrieb (ohne Schaltung), während der Testsieger von Lekker eine automatische Nabenschaltung nutzt.

Ein Singlespeed-E-Bike ist fast wartungsfrei und punktet mit einem direkten Fahrgefühl – für die flache Stadt ist das ideal. Sobald es aber bergauf geht oder du öfter an Ampeln anfahren musst, merkst du schnell, dass dir die Gänge zum Runterschalten fehlen; dann werden Motor und Beine stärker gefordert. Hält natürlich fitter als eine Automatik oder Standard-Schaltung, ist aber für die Gelenke auf Dauer vielleicht nicht das Optimale.

Der Lekker-Testsieger schaltet dagegen komplett automatisch und intuitiv, ganz ohne Schalthebel. Besonders beim Lekker: Du kannst im Stand schalten, was beim Stop-and-Go im Stadtverkehr m.E. ein Sicherheitsvorteill ist. Du musst nicht im höchsten Gang anfahren z.N. nach einer abrupten Bremsung. Die Automatik beim Lekker macht das Fahren außerdem entspannter und das Bike auch für hügelige Städte als Amsterdam zu einer guten Wahl.

Das Statement-Piece: Coboc Brooklyn FAT Legacy

Ebenfalls im Testfeld der Stiftung Warentest vertreten war das **Coboc Brooklyn FAT Legacy**. Coboc verfolgt eine ganz eigene Philosophie, die sich deutlich von den smarten Features eines Lemmo oder dem reinen Preis-Leistungs-Fokus eines Tenways abhebt. Hier geht es um absoluten Minimalismus und Design.

Wie ich in meinem [Fahrbericht zum Brooklyn FAT Legacy](https://ebikespass.de/brooklyn-fat-legacy-coboc-singlespeed-fahrbericht/) bereits beschrieben habe, ist dieses Bike ein echtes Statement-Piece. Ohne Schaltung, ohne Kette (dafür mit Carbonriemen), ohne Farbe und Lack (RAW Finish) – und auch ohne Schutzbleche oder Gepäckträger. Dafür mit feinen Retro-Akzenten wie Brooks-Sattel und dicken Schwalbe G-One Reifen.

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Das Coboc Brooklyn FAT Legacy Modell
Das von mir getestete Coboc Brooklyn FAT Legacy Modell

Ebikespass

Mit nur 13,5 Kilo ist es extrem leicht und agil. Der von Coboc selbst entwickelte Hinterrad-Nabenmotor mit 50 Nm Drehmoment schiebt ordentlich an und macht das Singlespeed-Konzept auch an Steigungen fahrbar. Das direkte Tretgefühl ist fantastisch für die Stadt.

Aber dieser Minimalismus fordert Kompromisse: Der 360-Wh-Akku ist fest im Rahmen integriert – ein Punkt, den auch die Stiftung Warentest bei mehreren Modellen kritisiert. Wer sich für das Coboc entscheidet, kauft keine eierlegende Wollmilchsau, sondern eine puristische Fahrmaschine für urbane Ästheten, die bereit sind, für dieses Design-Statement auch tiefer in die Tasche zu greifen (UVP 3.999 Euro).

Wenn günstig nach hinten losgeht: Das Lidl Crivit Urban X.3

Dass günstig nicht immer gut bedeutet, zeigt im Test leider das Lidl Crivit Urban X.3. Wir hatten erst im März hier im Blog die Modelle Lidl Crivit X.3 / Y.3 vorgestellt – als spannende Budget-Alternative. Bei der Stiftung Warentest fiel es nun jedoch mit der Note 5,0 („Mangelhaft“) wegen einem Sicherheitsproblem durch.

Im Dauertest auf dem Prüfstand bildeten sich nämlich Risse im Lenker. Das ist natürlich ein absolutes No-Go und peinlich für Lidl. Wer das Rad besitzt, sollte es laut Stiftung Warentest vorerst nicht mehr nutzen und sich an den Kundenservice wenden. Schade, denn das Konzept mit Riemenantrieb und integriertem Akku sah zunächstvsehr vielversprechend aus.

Vor dem Stiftung-Warentest-Bericht tauchen ürigens kaum öffentliche Hinweise auf Lenkerbrüche auf. In älteren Tests wurden die Urban-Modelle teils sogar überraschend positiv bewertet. Die aktuelle Kritik scheint sich speziell auf die neue X.3/Y.3-Generation mit integrierter Kabelführung zu beziehen. Die Durchführung der Kabel duch eine Bohrung im Lenker scheint eine Schwachstelle produziert zu haben.

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Lidl E-Bikes: Crivit X.3 und Y.3
Lidl E-Bikes: Crivit X.3 und Y.3

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Tipps: Was Crivit X.3 / Y.3  Besitzer aktuell tun können

Wenn jemand von euch ein Crivit Urban X.3 oder Crivit Urban Y.3 fährt, würde ich Folgendes empfehlen:

  • Lenker regelmäßig im Bereich der Kabeldurchführung kontrollieren
  • auf feine Haarrisse oder Knackgeräusche achten
  • keine schweren Frontlasten am Lenker transportieren
  • bei Unsicherheit eine Werkstatt draufschauen lassen
  • beobachten, ob Lidl/Crivit einen Rückruf oder Austausch ankündigt
  • wer sich unsicher fühlt: Zurückgeben falls möglich

Aktuell wirkt das Ganze eher wie ein ernstzunehmender Warnhinweis als wie ein massenhaft bestätigter Serienbruch im Alltag.

Fazit: Augen auf beim Akku und bei der Qualität

Der Test der Stiftung Warentest zeigt deutlich: Urban E-Bikes sind eine tolle Lösung für die Stadt und Touren im Flachland. Sie sind leicht, wendig und sehen gut aus.

Aber das Design hat oft seinen Preis bei der Praktikabilität. Fünf der zehn getesteten Räder haben einen fest verbauten Akku. Das ist nicht nur beim Laden unpraktisch, sondern auch ein Problem, wenn der Akku in ein paar Jahren getauscht werden muss. Das geht dann oft nur über den teuren Kundenservice des Herstellers.

Mein Rat: Achte beim Kauf unbedingt darauf, ob sich der Akku entnehmen lässt. Räder wie das Lekker, das Lemmo oder das Tenways zeigen, dass man auch mit entnehmbarem Akku ein schlankes, schickes Design hinbekommt.

Welches Konzept überzeugt dich mehr? Das smarte Lemmo, das puristische Tenways, das Statement-Bike Brooklyn Fat von Coboc oder der Warentest-Testsieger von Lekker? Schreib es mir in die Kommentare!

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Author: ebikespass

Hallo, ich bin Günter. E-Bikes verbinden für mich ideal Fitness und eine ordentliche Entdeckungsreichweite ... Die Elektrofahrräder tun Umwelt, Körper und Seele gut! Für den Blog teile ich meine technische Neugier und berichte über neue Modelle. Ein persönliches Dankeschön an alle, die mit ihren Kommentaren, eigenen Erfahrungen und Fragen diesen E-Bike-Blog weiter aufwerten und anderen weiterhelfen!

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